Dienstag, 21. Februar 2017

Nein, meine Medikamente nehme ich nicht

Zu jeder Beratung gehört für mich eine ausführliche Anamnese inkl. Medikationsplan.
Seit dem 1.10.2016 hat jeder Patient das Recht auf einen Medikationsplan, wenn
"... wenn sie mindestens drei zulasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnete, systemisch wirkende Medikamente gleichzeitig einnehmen beziehungsweise anwenden. Die Anwendung muss dauerhaft – über einen Zeitraum von mindestens 28 Tagen – vorgesehen sein"
Das Pharmakologieseminar hat mich für diese Thematik  sehr sensibilisiert .
Ich gehe die Medikation mit meinen Klienten kurz durch, weil mir das auch einen Einblick in die Krankengeschichte gibt, auch abgekoppelt vom Beratungsgrund.
Oft wird mir erzählt, dass bestimmte Medikamente nicht regelmäßig genommen werden oder einige Medikamente eigenmächtig abgesetzt werden, weil sie Nebenwirkungen verursacht haben. Das Gespräch mit dem Arzt  wurde  nicht gesucht.
Oder aber Medikamente werden nicht für nötig gehalten, weil es den Klienten gut geht.
Vor einger Zeit hat mir ein Klient erzählt, dass er eine Spritze, die alle vier Wochen nötig ist nicht eben alle vier Wochen möchte. Sechs Wochen würden komplett ausreichen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es lästig ist jeden Tag eine Batterie von Medikamenten zu nehmen. Dazu kommt dann, dass die Rezepte vom Arzt verordnet werden müssen, der Gang zur Apotheke. Oft sind die älteren Herrschaften selbst nicht mehr mobil sind und müssen in der Familie fragen.
All das weiß der Arzt nicht,er geht davon aus, dass die Medikamente so genommen werden wie verordnet. Wenn es dann gesundheitliche Probleme gibt, weiß der Arzt  nicht , dass es an nicht eingenommenen Medikamenten liegen kann. Oft kommt dann noch eine "Pille" obendrauf.
Redet mit dem Arzt, fragt nach, ob bestimmte Medikamente noch nötig sind oder ob z.B.  ein Durchfall  durch ein Medikament ausgelöst wird. Dann kann umgestellt werden.
Bleibt im Dialog. Das erleichtert beiden Parteien die Arbeit.
Bildrechte: S. Hagedorn

Samstag, 18. Februar 2017

"Und dann hat´s Boom gemacht"-Mutter-Tochter-Konflikt

Ein Thema, das jede Tochter- Mutter begleitet. Irgendwann knallt es halt auch mal oder auch mal öfter.
Die Tochter in der Pubertät sucht ihren Weg, Mutter hat ihn für sich gefunden und nervt das Mädel mit gut gemeinten Ratschlägen. Eine sehr explosive Geschichte, die mir auch in der Beratung begegnet.
Meist geht es darum, dass die Mutter meint, dass die Tochter zu füllig ist, zu viele Süßigkeiten isst, in ihren Augen "falsch" isst. Ganz kniffelig wird es dann, wenn die Mutter erfolgreich abgenommen hat und das für ihre Tochter auch möchte.
Gut ist auf jeden Fall, wenn jemand von außen zurate gezogen wird, jemand der den Blick von außen auf das komplette Geschehen hat und neutral urteilen kann und muss.
Ich bin selbst Mutter und weiß, dass es unheimlich schwer ist loszulassen, auch mal den Mund zu halten, wenn es darum geht, den Sprößlingen Stolpersteine zu ersparen.
Aber die "Stolpersteine" sind eigentlich das Mittel, durch dass unsere Kinder erleben und lernen. Wenn wir die aus übertriebener Sorge alle aus dem Weg räumen....?
Durch Klasse2000 habe ich in einer Klasse mithören können, wie ein Kind  folgendes erzählte:
"Meine Mama meint ich wäre zu dick. Sie hat mir jetzt Almased gekauft. Das trinke ich zweimal am Tag."
Mich hat es gegraust. Aber ungefragt einmischen, das tue ich nicht.
Andere Situation: Tochter ist ein bisschen viel füllig, Mutter eine gestandene Business-Frau, die gerade selbst erfolgreich Gewicht reduziert hat. Und dieses Konzept sollte auch auf die pubertierende Tochter projeziert werden. Die Spannung im Raum war körperlich zu spüren, auch wenn sich die Tochter erfolgreich zurückgehalten hat.
Ich kann die Sorge verstehen, wenn es um übergewichtige Kinder geht. Mobbing ist ein großes Thema. Das möchte ich jedem Kind ersparen.
Aber jedes Kilo zuviel hat einen Grund. Da muss genau hinterfragt werden. Warum wird was gegessen? Ersatz für was, Trösterchen wofür?
Und: in einem gewissen Alter brauchen die Kinder ein Polster, eine Art Reserve um zu wachsen.
Wenn es dann  doch zu viel ist, auf keinen Fall eine Diät (schon absolut garnicht in Pulverform), sondern eine Ernährungsumstellung, am besten gemeinsam mit der jungen Klientin entwickelt.
Bildrechte: S. Hagedorn

Dienstag, 14. Februar 2017

Essen mit angezogener Handbremse

Ich habe mich ein bisschen spezialisiert auf Klienten mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten (NMU) und auf diejenigen, die unter Übergewicht oder auch Adipositas leiden. Natürlich gehört dann alles dazu, was mit dem Magen-Darm-Trakt zu tun hat. Alles weitere entnehmt einfach meiner Homepage.
Ich glaube, dass viele Kolleginnen und Kollegen meine Erfahrungen bestätigen können, was das "Essen mit angezogener Handbremse" angeht.
Damit meine ich, dass die Klienten das Vertrauen in ihren Körper verloren haben. Aus Angst wieder Probleme der unterschiedlichsten Arten zu bekommen,essen sie nur das, wovon sie genau wissen, dass es keine Probleme macht.
Da ist der Weg in eine Mangelernährung meist vorprogrammiert.
Es gibt aber auch die, die mit den Materialien einiger Ärzte arbeiten und meinen, sie kommen damit alleine zurecht. Die gastroenterologen in meiner Umgebung geben diese Materialien aus dem Grund mit, damit die Klienten bis zu einem Termin bei einer Ernährungsfachkraft über die Runden kommen.
Wenn ich die Materialien sehe, dann kann ich meist sagen: Weglegen! Zum Teil veraltet oder viel zu unverständlich.
Dr. Internet spielt dann auch noch eine große Rolle. Ich finde den Austausch wichtig, aber manchmal erteilen selbsternannte Ernährungsberater Ratschläge, da stehen mir die Haare zu Berge. Im Internet kann man mehr als verunsichert werden. und in den diversen Foren schreiben auch meist nur die, die total schlimm dran sind und trotzdem meinen die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.
In der vergangenen Woche hatte ich dann noch so ein Aha-Erlebnis. Klient, Untergewicht BMI 17.
Beim Gastroenterologen waren alle NMU ausgeschlossen. Über Bioresonanz beim Heilpraktiker ist dann aber ausgetestet worden, dass Gluten das Immunsystem stört. Außerdem sollte der Klient auf Milchprodukte, Eier und Zucker verzichten.
Massiver Stress war ein bestimmender Faktor in diesem Leben. Aber wie kann man mit diesem Stress umgehen, wenn keine Substanz (in Form von wenigstens Normalgewicht) vorhanden ist?
Ich habe nichts gegen Heilpraktiker, absolut nicht! Sie müssen ihre Arbeit nur gut machen.
Beim beschriebenen Klient stand für mich erstmal eine Gewichtzunahme im Vordergrund. Womit geht das besser im Berufsleben wie mit dem (Sicherheits-)Ei  oder einem Milchprodukt?
Nochmal: Alle Nahrungsmittelunverträglichkeiten waren durch einen Atemtest ausgeschlossen!
Ich kann jetzt speziell nur für mich schreiben: Wenn der Arzt eine Ernährungsberatung befürwortet, dann fragt mich, bevor da mit veraltetem Material rumgedoktert wird und sich nichts bessert. Wie viele Beratungstermine nötig sein, dass entscheidet  letztendlich mein Klient.
                   "Nur redenden Menschen ist zu helfen!" (sagt meine Mutter)
Und: Vom besagten Klient habe ich nichts mehr gehört, obwohl versprochen. Da war der HP vielleicht überzeugender?
Aber jede/r geht seinen eigenen Weg und trifft eigene Entscheidungen. Das akzeptiere ich. Wenn dann doch meine Hilfe benötigt wird, dann sage ich bestimmt nicht "Nein".
Bildrechte: S. Hagedorn

Montag, 13. Februar 2017

Viren....

Ja, diese miesen Viecher schwirren schon seit knapp zwei Wochen  durch unsere Wohnung und jetzt hat es mich auch erwischt.
Gott sei Dank kein Fieber. Aber wie das so ist: Ich fühle mich nicht gut, die Nase läuft, der Kopf brummt etwas.
Jetzt gilt es vernünftig zu sein und sich eine kleine Auszeit zu nehmen.
Es tut mir schon leid, dass ich am Donnerstag nicht zu einer Fortbildung fahren kann. Dort bin ich mit Viren sowieso unerwünscht. ;-) Dann muss ich das zu einem anderen Termin nachholen.
Ich bin ja nicht die Einzige, die von den Viren geplagt wird. Anderen geht es noch schlechter als mir.
Also viel trinken, Ruhe gönnen und nicht aus falsch verstandenem Ehrgeiz andere anstecken.
Das gilt übrigens für jeden Arbeitnehmer. Nichts ist unproduktiver für eine Firma, wenn durch Präsentismus die halbe Belegschaft angesteckt wird.
Ich habe jetzt Zeit ein Buch zu lesen und eine Rezension darüber zu schreiben. Zwei kleine Impulsvorträge stecken noch in der Pipeline. Das geht alles auf Sofa.
Aber zuerst komme ich.  Was nicht geht, das geht nicht.
Der Kühlschrank ist voll. Verhungern tun wir nicht. Also irgendwie alles gut.
Gute Besserung an alle, die es erwischt hat!

Samstag, 11. Februar 2017

gelesen: "Die Food-Werkstatt"

38 Supermarktklassiker und Fastfood-Lieblingsrezepte zum Selbermachen
von Sebastian Lege, erschienen bei systemed;ISBN:978-3-95814-041-7; Preis: 25,00€

Ganz ehrlich? Sebastian Lege ist auf den diversen Kanälen, die im Buch angegeben sind, bisher an mir vorbei gegangen. Er hat Sendungen auf Pro7 und im ZDF, aber irgendwie ist er bis jetzt nicht bei mir angekommen. Dafür aber jetzt.
Schon beim Auspacken habe ich Lust auf dieses Buch bekommen. Es fühlt sich an wie ein Buch, das in einer Werkstatt liegt. Total robust, versehen mit einem Spannbändchen und einen Bleistift. Letzteres sehe ich als nettes Gimmick.
Dem Autor geht es darum, Spaß am Kochen zu vermitteln und er greift auf Fastfood-Klassiker zurück, aber zum Selbstmachen.
Ein Spruch hat mich sofort gehabt:
         "Warum steckst du dir irgendwas in den Mund? Du küsst ja auch nicht jeden."
Diese lockere Ansprache zieht sich durch das komplette Buch.
Die zum Teil unterschiedlichen Schrifttypen stören mich hier absolut nicht. Ganz im Gegenteil: sie machen mich neugierig.
Zum Inhalt:
  • Küchenausstattung inkl. Checkliste
  • Vorratshaltung
  • Fastfood-Klassiker zum Selbstmachen (Burger in diversen Varianten, Döner, Currywurst...)
  • Richtig einkaufen
  • Lebensmittelkunde inkl. Saisonkalender
  • Selbst gärtnern (auch für den Balkon)
  • viel Platz für eigene Notizen (dafür eignet sich dann der Bleistift ;-))
Was mich  stört ist, dass Produkte aus dem Nestlé-Konzern , zu dem der Autor eine Verbindung hat, bildlich und namentlich  auftauchen(Brühenpulver, Spaghettigericht). (Unterschwellige) Werbung hatfür mich in Büchern nichts zu suchen, schon garnicht, wenn man dafür gutes Geld ausgibt.
Ich weiß schon jetzt, wem ich das Buch ausleihe (abgeben werde ich es nämlich nicht).
Wer  ein Geschenk sucht für Kochanfänger , Erste-Wohnung- Besitzer oder ähnlichem, der ist mit diesem Buch gut bedient.



Die Foodwerkstatt - 38 Supermarktklassiker und Fastfood-Lieblingsrezepte zum Selbermachen
 (Affiliate-Link=ein paar-Cent-dazu-verdienen-können ;-))

Dienstag, 24. Januar 2017

Es wurde etwas bewegt: Update zur Petiton

Am 22.12.16 wurde von Birgt Blumenschein und Daniela Kluthe Neis eine Petition gestartet, in der es darum ging mit der DGE über die aktuellen Nährstoffempfehlungen in die Diskussion zu kommen. Ich hatte bereits hier berichtet.
Das Ergebnis ist einfach nur überragend und zeigt, dass wir etwas bewegen können, wenn wir gemeinsam etwas tun.
Hier einfach nur ein paar Zahlen:
Am Ende der Petition  haben über 1090 Menschen "gezeichnet", über 320 haben einen Kommentar hinterlassen, warum sie diese Petition unterstützen.
Verbände (VDD e.V FET, DAAB e.V. Quetheb, VFED) haben diese Petiton in ihren Newsletter aufgenommen. Es können mehr gewesen sein, aber von den aufgeführten weiß ich es. So etwas vergößert natürlich die Reichweite enorm.
Aber auch das Teilen in sozialen Netzwerken, das Kommentieren , all das trägt dazu bei, dass da etwas in Bewegung kommt.
Anlass war ja, dass die ZPP eingereichte Konzepte nicht akzeptiert hat, da sie nicht den Empfehlungen der DGE entsprachen.
Die DGE hat darauf reagiert und bereits Kontakt mit den Verantwortlichen der Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP) und den GKV-Spitzenverbänden aufgenommen, diese bestehenden Hindernisse auszuräumen.
Und das Deutsche Ärzteblatt ( ein Lese-Muss!)hat Birgit Blumenschein und Daniela Kluthe- Neis zu ihrem, zum Anliegen vieler Kolleginnen und Kollegen, befragt.
Für mich ist das ein Zeichen, dass wir viel erreichen können, wenn die richtigen Wege beschritten werden und wenn wir an einem Strang ziehen. Es wird immer Menschen geben, die an dem "Neuen" zweifeln.
Danke an die beiden Kolleginnen, die das ins Rollen gebracht haben.
Jetzt heißt es dran bleiben.


Montag, 23. Januar 2017

All you can eat

Gestern war ich mit einer Freundin, die ich seit einer Ewigkeit nicht gesehen habe zum Frühstücken verabredet. Manchmal muss man einfach raus aus den vier Wänden, damit wir in Ruhe reden können.
Ausgesucht hatten wir uns das Extrablatt in Coesfeld, weil es dort einfach lecker ist.
Etwas inden Hinterkopf hatten wir verschoben, dass es am Sonntag dort ein Frühstücksbuffet für 10,95€ zzgl. Getränken. Dementsprechend voll war es, aber wir haben eine Ecke erwischt, in der wir uns unterhalten konnten ohne richtig schreien zu müssen.
Wir saßen quasi direkt vor dem Buffet mit dem Blick ins Restaurant und den Weg zur Küche.
es war schon imposant, was da aufgefahren wurde, wobei ich letztendlich froh war, dass wir ein Frühstück á la carte gewählt haben. Wir mussten uns also nicht am Bufett vorbei manövrieren.
Natürlich haben wir uns in allererster Linie über die dinge unterhalten, die für uns von Interesse waren.
Ich habe aber immer einen Blick darauf, was sich an solche einem Bufett abspielt.
Punkt 10 Uhr baute sich eine riesige Schlange Menschen auf, die mit Tellern am Bufett vorbei lief.
Und die Teller waren zum Teil so hoch gefüllt, dass ich Sorge gehabt hätte einen Teil der Ladung unterwegs zu verlieren.
Aber bei der Schlange, die sich zeitmäßig bis 11 Uhr hielt, konnte ich mir auch gut vorstellen, dass einige Leute lieber nur einmal gehen wollten.
Am Nebentisch saß eine Familie mit Kindern. Der Satz :"Mama, bring mir etwas mit" war nicht zu überhören.
Als Mama dann mit mehreren gefüllten Tellern zurück kam:
"Mama, das mag ich aber nicht!" Mutter:" Dann lass es liegen und iss nur das , was du magst."
Die optimal Erziehung zu Vermeidung von Lebensmittel "müll". Wobei Lebensmittel für mich kein Müll sind.
Was ich nebenbei auch beobachten konnte war, dass die Servicekräfte viele, zum Teil noch gut gefüllte Teller zurück zur Küche gebracht haben. Auch wieder etwas für die "Tonne".
Wir leben schon im Überfluss. Auch wenn uns "All you can eat" angeboten wird: Mehr als essen kann kein Mensch. Vielleicht dann doch öfter in die Schlange stellen und nachholen, wenn sich das Sättigungsgefühl noch nicht einstellt?
Vielleicht als kleiner Vorsatz für das fast noch neue Jahr?
Ach ja, ich habe natürlich gut gefrühstückt, ich habe mich intensiv mit meiner Freundin unterhalten.
Aber solche Dinge kann ich einfach nicht übersehen, wenn ich den entsprechenden Platz habe.


Bildquellenangabe: Jörg Brinckheger  / pixelio.de