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Sonntag, 15. Oktober 2017

fortgebildet: Aufbauseminar Pharmakologie

Ich bin gerade dabei meine Unterlagen vom Aufbauseminar "Pharmakologie für die ernährungstherapeutische Praxis-Arzneigruppen mit Ernährungsbezug" zu sortieren und die dazugehörigen Notizen zu sichten.
Eine gute Gelegenheit um Euch einige Erkenntnisse und Aha-Erlebnisse aufzuschreiben,bevor die Sonne uns heute nachmittag noch einmal verwöhnen wird.
Dozent, war, wie im vergangenen Jahr, Prof. Dr. M. Smollich. Schon im letzten Jahr hat mich diese Thematik richtig angepiekt und nach diesem Aufbauseminar möchte ich meine Klienten noch mehr für Wechselwirkungen etc. senibilisieren. Ob ich diese Thematik beim Arzt unterbringen kann-Ich werde es sehen. Bei mir geht das Patientenwohl vor.
Folgende Themen sollten besprochen werden:
  • Diabetes (insuline & Antidiabetika)
  • Adipositas (Appetitzügler)
  • Fettstoffwechselstörungen (Choesterinsenker)
  • Gicht (Gichtmittel)
  • Gastritis & Ulkuserkrankungen (Antazida und Protonenpumpenhemmer)
  • Obstipation und Diarrhö (Laxanzien und Antidiarrhoika)
  • chronisch entzündliche Darmerkrankungen (aktuelle Therapiekonzepte
Vorneweg: Adipositas und Gicht haben wir in den zwei Tagen nicht besprochen. Die Zeit reichte einfach nicht. Prof. Smollich hat im Vorfeld die Themen abgefragt, die von uns Teilnehmerinnen favorisiert wurden. Da kamen diese Themen zum Schluss. Ich habe die Unterlagen dazu aber hier und werde das für mich nacharbeiten. Ihm war es auch wichtiger unsere Fragen zu beantworten.
Was ich schön fand war, dass ich die meisten Teilnehmerinnen vom Vorjahr kannte. Das lockert die Seminaratmosphäre direkt schon mal auf.
Gestartet sind wir mit den Fettstoffwechselstörungen.
Da gibt es so viel zu beachten. Ich habe mittlerweile viele Medikationspläne gesehen. Meist steht ein Diuretikum mit auf dem Plan. Wenn diese Mittel eingesetzt werden ist zu beachten, dass die Konzentration von anderen Substanzen, z.B. der Harnsäure steigt und einen Gichtanfall auslösen  kann oder wenn sich die Thrombozyten erhöhen steigt das Risiko für eine Embolie oder einen Infarkt. Dementsprechend können natürlich dann auch die Trigyceride und das LDL ("böses Cholesterin" ;-))ansteigen. Diuretika sollten einschleichend eingesetzt werden, also langsam mit geringen Mengen anfangen und dann steigern. Ist das gängige Praxis?
Wichtig zu wissen ist, dass es unter Statinen zu sog. Myopathien = muskelkaterartige Schmerzen im Inneren der Extremitätenmuskeln kommen kann. Wer (ältere) Menschen im Haus wohnen hat oder auch in der Beratung sollte abgefragt werden, ob es unter Statinen solche Beschwerden gibt.Meist werden dann Knochenschmerzen genannt.
Das muss kontrolliert werden,evtl. muss die Medikation geändert werden.
Und ein Satz ist auch wichtig:"Es gibt keinen Prozess, der nicht durch Statine gehemmt wird"
Das soll aber nicht heißen, dass Statine schlecht sind. Sie müssen richtig angewendet werden.
Und ganz wichtig: Statine und Fibrate(gegen erhöhte Triglyzeridwerte) dürfen nicht kombiniert werden!!!
Nächstes Thema :Ulkus und Gastritis
Natürlich waren die Protonenpumpenhemmer (PPI) da großes Thema. In der Geriatrie kritisch zu sehen und keine Anwendung über 8 Wochen. Es sollte bei längerfristiger Einnahme mindestens 2 mal im Jahr eine Kontrolle auf B12 (eine Standarddosis reduziert die Aufnahme von B12 um 70%), Magnesium, Calcium und Eisen.
Die Infektionsrate erhöht sich duch die erniedrigte Magensäure und Darmbakterien (Clostridium diff.) können zu Pneumonien führen. Diese können kniffelig werden, da die alltäglichen Antibiotika evtl. nicht anschlagen, da es sich um Bakterien handelt, die normalerweise in der Lunge nicht zu finden sind und keiner im Akutfall daran denkt.
Im Seminar kam es immer wieder zu Exkursen in andere Bereiche. Ein Thema,bei dem uns allen die Kinnlade runtergefallen ist und was uns auch am Ende dieser zwei Tage beschäftigt hat, war, dass Ibuprofen bei einem grippalen Infekt nicht eingesetzt werden darf, da es das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall um das 10fache erhöht. Und diese Wirkung hält noch längere Zeit nach. Schaut in Euren Medikamentschrank, welche Grippemittel sich dort vielleicht finden,die frei verkäuflich sind, die aber Ibuprofen enthalten. Gönnt Euch lieber Ruhe, bleibt im Bett und kuriert den grippalen Infekt aus. Auch ACC als Schleimlöser wirkt in den Bronchien nicht. Die einzige Schleimhaut, die es auflöst, ist die Magenschleimhaut. Hier hilft eigentlich nur Inhalieren.
Zum Thema Diabetes möchte ich kurz anmerken, dass Metformin ebenfalls den Vitamin B12- Spiegel reduziert, aber es ist nach Lebensstilveränderungen das Mittel der ersten Wahl.
Und dann die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie M. Crohn und Colitis ulcerosa.
Wenn solche Patienten Schmerzen (auch Kopfschmerzen o.ä) haben,dann ist Vorsicht geboten. Niemals die sog.NSAR (ASS, Dicofenac oder Ibuprofen) nehmen. Diese Substanzen können einen Schub auslösen.
Was ich Euch mit auf den Weg geben möchte: Wer längerfristig Medikamente nehmen muss oder meint nehmen zu müssen: Lasst regelmäßig Eure Blutwerte kontrollieren oder fragt nach ob bestimmte Mittel (z.B. PPI) überhaupt noch sein müssen. PPI müssen ausgeschlichen werden!!!
Ich habe natürlich noch viel mehr Input bekommen. Das werde ich weiterhin in meine Beratung einfließen lassen.
Das Frage, die meine Mitstreiterinnen und von ich uns gestellt haben war letztendlich:"Warum ist solch ein Seminar keine Pflicht für Ärzte"
Kolleginnen, die mit in diesem Seminar waren, dürfen gerne ergänzen. Das würde mich freuen.
Für alle Leser gilt: Passt auch Euch auf und bleibt kritisch!



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